Zum Tag des Wassers

Albstadt (Korrespondenz)
Zum Tag des Wassers

Aktionsstand am 28.2. in Albstadt

 

Heute ist Weltwassertag. Gestern meldete dpa, feelgreen.de: „Die UN befürchten eine verheerende Trinkwasserknappheit, heißt es in einem Bericht, der im indischen Neu Delhi vorgestellt wurde. Bis zum Jahr 2050 werde mit einem Anstieg der Weltbevölkerung von aktuell 7,3 Milliarden auf voraussichtlich 9,1 Milliarden Menschen gerechnet. Der weltweite Bedarf an Wasser steige dadurch voraussichtlich um 55 Prozent an. Bereits bis 2030 könne die Lücke zwischen dem Bedarf und der natürlichen Neubildung von Grundwasser auf 40 Prozent anwachsen, prognostizieren die Experten der UN-Wetterorganisation WMO. Aber schon jetzt gelte: "Der Planet war noch nie so durstig." Die Menschheit müsse lernen, weniger Wasser zu verschwenden, heißt es in dem Bericht weiter... Die UN-Autoren empfehlen auch, weniger Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke zu bauen, da diese sehr viel Wasser zum Kühlen brauchten. Die Unterstützung für erneuerbare Energien etwa aus Sonne und Wind müsse "dramatisch ansteigen", um den Wasserverbrauch zu reduzieren. Ein weiterer Appell der Vereinten Nationen zwei Tage vor dem Weltwassertag lautet: Wasser darf nicht verschmutzt werden. Heute hätten 748 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeden Tag sterben fast 1000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, verursacht durch verschmutztes Trinkwasser, fehlende Toiletten und mangelnde Hygiene.Die Umweltschutzorganisation WWF warnte, die Wasserknappheit könne sich zu einer ökologischen Katastrophe entwickeln. In den vergangenen Jahren seien weltweit schon mehr als 50 Prozent der Flusssysteme, Moore und Seen verloren gegangen. "Die komfortable Wassersituation in Deutschland ist global betrachtet ein Ausnahmefall", so Philipp Wagnitz vom WWF Deutschland.“

Derzeit schlagen in Punkto Umgang mit dem Wasser die Wellen hoch in Albstadt: Zum Jahr 2015 änderten die Albstadt-Werke die Wassertarife dahingehend, dass jeder Wasseranschluß sich fast um das 5-fache verteuert, während dafür ab einer großen Menge Wasserverbrauch sich das Wasser verbilligt. Anders gesagt: Otto-Normalverbraucher zahlt mehr, Wassersparen wird bestraft, die Industrie und Großverbraucher profitieren und Wasserverschwendung wird belohnt. Seit Januar regt sich hier Widerstand, immer mehr Leute schrieben Leserbriefe, recherchierten, vernetzten sich. Die Leute empören sich vor allem: 1. Über die überfallartige saftige Erhöhung der Wassergrundgebühr; 2. Über die Tatsache, dass Wassrverschwendung belohnt wird; 3. Über die „Gutsherrenart“ der Stadtwerke, deren Sturheit, das Abblocken jeglicher alternativen Preisgestaltung und ihre Lügen und Augenwischerei in deren Argumentation.

Die Montagsaktion Zollernalb hatte schon mehrmals dieses Thema behandelt. Gleichzeitig wendeten sich andere an ZUG-Albstadt mit der Bitte tätig zu werden. Dies wurde aufgegriffen und die ZUG- Gemeinderätin Elke Rapthel und die ehemalige ZUG-Gemeinderätin Christiane Kasprik organisierten eine Bürgerversammlung am 20. Februar zu der über 100 Leute kamen. Ausgehend davon wurde eine Unterschriftensammlung mit der Forderung „Die Umstellung auf die neuen Wasser-Tarife muss vollständig vom Tisch!“ in Gang gesetzt mit inzwischen mindestens 1500 Unterschriften. Ein Aktionsstand mit Unterschriftensammlung und Kundgebung am 28. Februar mit etwa 50 Teilnehmern wurde durchgeführt. Das Thema durchdringt sich mit der Oberbürgermeister-Wahl und hat sicher mit dazu geführt, dass der Amtsinhaber Dr.Gneveckow (CDU) beim ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit bekam und nun, ebenfalls am 22.März, eine Stichwahl stattfindet. Ein Gemeinderatsmitglied der Freien Wähler wurde in der Öffentlichkeit als „Alternative“ aufgebaut, und in den letzten 3 Wochen gibt es in den Zeitungen nur noch ein Thema: wer wird nächster OB, wie schafft man es mehr Leute zum wählen (unter 32 % Wahlbeteiligung) zu bewegen. Mit dem Rummel um zwei Schein-Alternativen soll dem begonnenen Widerstand gegen die Wassertarife und der Stärkung von ZUG in die Parade gefahren werden. Zahlreiche Diskussionen finden statt: Vom verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Süßwasser über grundsätzliche Alternativen zur städtischen Haushalts- und Umweltpolitik, der Notwendigkeit das kämpferische kommunalpolitische Personenbündnis ZUG Albstadt zu stärken, bis zur Rolle der MLPD dabei. Das belebt auch die Auseinandersetzung mit antikommunistischen Vorbehalten. Fazit: der Umgang mit Wasser ist ein brennendes Thema weltweit und in der Kommunalpolitik.