Neuer Leserbrief zur Zukunft der Krankenhäuser

Dokumentiert vom Zollernalb Kurier 24.5.2016
Neuer Leserbrief zur Zukunft der Krankenhäuser

Thomas Voelter

Die Sache ist noch längst nicht gelaufen – Wir brauchen aktiven Bürgerwiderstand für den Erhalt der Albstädter Klinik

 

Zentralklinikum als Gesundheitsfabrik mit den Patienten als Stückgut – nein danke! So oder ähnlich der einhellige Tenor vieler Gespräche nicht nur mit meinen Patienten. Wir wollen unser Albstädter Krankenhaus, modernisiert und mit allen Fachabteilungen, behalten!

Landrat und Kreistag ist das Recht abzusprechen, über unsere Köpfe hinweg ein Zentralklinikum auf der grünen Wiese zu beschließen. Leichtfertige und verantwortungslose Verschwendung einiger Hundert Millionen unserer Steuergelder – auf keinen Fall.

Einige Millionen Zuschuss aus der Kreiskasse für die Zwei-Standort-Lösung? Warum nicht! Wenigstens eine sinnvolle Verwendung unserer Steuergelder. Im Zentrum der Kritik steht die rein wirtschaftliche Betrachtungsweise der Gutachten und ihrer Auftraggeber, bei der Bedürfnisse der heute und zukünftigen kranken Menschen auf der Strecke bleiben. Andererseits: Der bisherige Bürgerwiderstand reicht nicht aus, auch wenn über 33 000 Unterschriften eine gute Grundlage sind. Wir müssen einen großen Zahn zulegen. Die Krankenhausreform-Pläne wurden ganz oben ausgekocht. Das Krankenhausstrukturgesetz 2 der Großen Koalition verschärft den Kurs der Kommerzialisierung und Zentralisierung und will uns dafür noch über fünf Milliarden Kosten zu Lasten der Krankenkassen aufbürden.

Dabei treibt das „Geschäft mit der Krankheit“ schon heute gewaltige Sumpfblüten. Über 30 Prozent der Krankenhäuser werden derzeit schon von privaten Großkonzernen betrieben. Sie trimmen ihre Krankenhäuser gnadenlos auf Gewinn, oft auf Kosten von Patienten und Personal. Sie sitzen in den Startlöchern, um vom „Segen“ dieser Krankenhausreform noch mehr abzusahnen.

Landrat, Kreistag, Gutachter und Ärzte ordnen sich diesem Kurs unter und verkaufen uns das als „zukunftsfähiges Medizinkonzept“. Ich denke, wir können unseren eigenen Kopf gebrauchen und Nein sagen. Unsere Vorstellungen von einem „zukunftsfähigen Medizinkonzept“ sind ganz anders, und der angebliche „Realitätssinn“ der Herren ist nicht der unsere.

Auf einer von der Bürgerinitiative „Pro Krankenhaus Albstadt“ geplanten Bürgerversammlung sollten sich alle Anhänger der „Zwei-Standort-Lösung“ zusammentun und Schritte aktiven Bürgerwiderstandes beraten und beschließen. Die Kreistagssitzung im Juni ist zudem eine gute Gelegenheit, unseren Willen öffentlich zu bekunden.

Thomas Voelter
Wasenstraße 4, Tailfingen