Leserbrief zum Kommentar „wer teilt mit Millionen“ vom 24.09.2016

Herr Müller verweist in seinem Kommentar auf die Erfahrungen des Großklinikums Villingen-Schwenningen und sieht darin gute Argumente für die Befürworter einer solchen zentralen Lösung im Zollernalbkreis. Eine langjährig beschäftigte Krankenschwester aus Villingen berichtete mir dazu:

Vor etwa 15 Jahren wurde im Schwarzwald-Baar-Kreis beschlossen einen Klinikneubau zu erstellen. Davor gab es 5 voneinander unabhängig agierende Kliniken. Die Klinik in Furtwangen wurde von Donaueschingen übernommen und 2 Jahre später geschlossen. Ebenfalls die Klinik in St.Georgen. Die hauseigene Wäscherei und Reuinigungsdienst waren bereits um die Jahrtausendwende ausgelagert. Seit Juli 2013 ist der Kliniknaubau in Betrieb. Ziel war und ist die Betriebskosten durch Einsparung von Personal zu senken. Die Auswirkungen auf die Bevölkerung sind: wohnortferne Dienstleistungen mit langen Wegen. Für die Patienten: Lange Wareizeiten und lange Wege. Durch Patrientenmix verschiedener medizinischer Diszilplinen sind entsprechende Ärzte nur auf Anforderung auf der Station. Zum Teil sind auch Pflegekräfte nicht ausreichend qualifiziert weil auch nicht jeder auf jedem Gebiet top sein kann. Die Pflegestellen wurden von 33 Patienten auf inzwischen 36 Patienten pro Station berechnet. Pro Station wurde eine Hotelfachkraft auf dem Stellenplan der Pflegekräfte angeedchnet. Der Patintentransport, der maßlos überlastet ist, wird ebenfalls über diesen Stellenplan installiert. Die Arbeitszeiten wurden flexibilisiert meist ist ab 01.00 Uhr nachts eine Kollegin für bis zu 36 Patienten da. Im OP wird bei Dreischicht rund um die Uhr operiert. Dies alles führte zu wachsender Unzufreidenheit. Positiv erwähnte die Kollegin, dass daher viele im Rahmen der Tarifauseinandersetzung im Frühjahr bereit waren die Arbeit niederzulegen und auch bereit sind für einen „Tarifvertrag-Entlastung“ wieder zu streiken.

Die Auswirkungen auf die Umwelt bei so einem unnötigen Neubau liegen auf der Hand. In VS wurde neben den Klinikneubau auch gleich noch ein Parkhaus erstellt, das privatwirtschaftlich betrieben wird, mit entsprechenden Kosten für die Nutzer. Der Mitarbeiterparkplatz ist zu klein.

Wer eine sachliche Debatte und den Erhalt und eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung will will, kommt nicht darum herum, das 2015 von der Bundesregierung beschlossene Krankenhausstrukturgesetz II mit dem die Zentarlisierung und Kommerzialisierung des Krankenhaussektor vorangetreiben wird, als Ursache zu benennen und dagegen vor zu gehen. ....

 

B.Schmidt