Leserbrief zum Erhalt des Krankenhauses in Albstadt

Von Thomas Voelter dokumentiert aus Zollernalb Kurier

Geradezu volksfeindlich – Oder ist es gewollt, dass die Lebenserwartung sinkt?

 

Eine Welle der Empörung über die Krankenhauspläne von Landrat Pauli und seiner Getreuen im Kreistag entwickelt sich. Ich denke, „wir werden uns die wohnortnahe Krankenhausversorgung auf keinen Fall nehmen lassen“. Ein Großteil des 3,9-Millionen-Zuschusses der Kreiskasse an die Krankenhäuser Albstadt und Balingen entfällt auf Rückzahlung an die Krankenkasse. Das ist Folge der Krankenhausfinanzierung nach dem DRG-System (Fallpauschale), die zu katastrophalen Zuständen geführt hat; etwa 50 Prozent der Krankenhäuser in der BRD schreibt rote Zahlen, in Baden-Württemberg mehr als ein Drittel. Sollen sich doch die Befürworter eines Zentralklinikums lieber einreihen in den wachsenden Protest gegen die offensichtlich von der Großen Koalition gewollte Unterfinanzierung der Krankenhäuser, ja des Gesundheitswesens überhaupt.

Nein, auch sie sind dafür, die Misere auf dem Rücken der Kranken, der Bevölkerung abzuladen. Sollen wir das akzeptieren? Ich denke: Nicht mit uns. Schon heute haben die massiven Verkürzungen der Verweildauer, die Schließung von Krankenhäusern wie Hechingen und der sich entwickelnde Pflegenotstand negative Folgen, besonders für die älteren Patienten und viele Angehörige, aber auch für das Pflegepersonal, während Bundes- und Landesregierung Milliarden einsparen. Finanzminister Schäuble reibt sich die Hände über solche Umverteilung unserer Steuergelder von unten nach oben, Großbanken freuen sich über Sanierungsmilliarden, Großkonzerne über Steuererleichterung und profitsteigernde Investitionsbeihilfen.

Es ist doch geradezu volksfeindlich, angesichts steigender Notwendigkeit von Krankenhausbehandlungen bei der älter werdenden Bevölkerung weiteren Bettenabbau zu betreiben und die Verweildauer noch weiter herabzudrücken. Ist es gar gewollt, dass die Lebenserwartung sinkt? Zu bedenken ist: Über die Ablehnung der Hechinger Krankenhausschließung vor zehn Jahren durch den dortigen Gemeinderat und breiter Teile der Bevölkerung haben sich die Herren Kreisräte mit „wohlklingenden Argumenten“ rigoros hinweggesetzt.

Also: Nicht einlullen lassen von den angeblichen Sachzwängen.

Nur mit dem Aufbau massiven Volkswiderstandes im Kreis kann unser Krankenhaus erhalten bleiben. Die Unterschriftensammlung und die Gründung einer Bürgerinitiative sind ein erster Schritt. Insbesondere auch die Jugend ist gefragt als (Kranken-)Angehörige von heute und als mögliche Patienten von morgen.

Thomas Voelter
Wasenstraße 4, Tailfingen