Leserbrief von Renate Schmidt zur Zukunft der Krankenhäuser

Mitarbeiter werden zu Kostenfaktoren degradiert (vom 16.08.)

Im Artikel „.... als wenn es unser Haus wäre“ des ZAK vom 30. Juli schwört die neue Klinikchefin Sybille Ächtler die Mitarbeiter auf einen „dringend nötigen Sparkurs“ ein. Kein einziges Wort der Wertschätzung gegenüber Schwestern, Pflegern, Ärzten, Putzfrauen, Technikern, SekretärInnen u.s.w., die seit Jahren diese beiden Kliniken am Laufen halten, für eine gute medizinische Versorgung schuften und sich engagieren.

Stattdessen werden die Mitarbeiter zu Kostenfaktoren degradiert und arrogant belehrt, dass man das Licht ausmachen soll, um Strom zu sparen. Und während die neue Klinikchefin sicher ein gutes Gehalt verdient, dafür dass sie eiskalt die kapitalistische Betriebswirtschaft durchsetzt, werden den Mitarbeitern die Butterbrezeln gestrichen. Erbärmlich! Über die Riesengewinne der Pharmaindustrie und Medizinkonzerne, über die Verschwendung von Millionen für ein neues Zentralklinikum – darüber regt sich die neue Chefin nicht auf.

Und für „Experten“ und „Gutachten“ hat man natürlich immer Geld übrig. Die finden dann das heraus, was man will: Die angeblich notwendige Zentralisierung und Kommerzialisierung im Gesundheitswesen und Maßnahmen, wie man die Mitarbeiter noch besser antreiben und mehr „Fälle“ (Patienten) durchziehen kann.

Der Hintergrund ist das im November 2015 im Bundestag beschlossene Krankenhausstrukturgesetz II. Damit soll das Gesundheitswesen für die Privatisierung lukrativ gemacht werden. Von Großkonzernen getragene Krankenhausketten wie Helios (Fresenius) und Sana (u.a. Allianz) wollen größere Teile des Gesundheitssektors gewinnbringend für ihr überschüssiges Kapital erschließen. Im Kapitalismus wird der Mensch zur Ware – die Arbeitenden müssen ihre Ware Arbeitskraft verkaufen und die Patienten sind für die Bilanzen nur als Fallpauschale interessant.

Ein Gesundheitswesen, bei dem wirklich der Mensch im Mittelpunkt steht, gibt es nur im echten Sozialismus, wo die Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen überwunden und nicht mehr die Profitmaximierung das Maß aller Dinge ist. Der Kampf um den Erhalt der Krankenhäuser Albstadt und Balingen ist noch nicht gelaufen. Man muss aber die Illusion überwinden, man könne die willfährigen Umsetzer dieser von oben bewusst gemachten Politik zur Vernunft bringen. Es ist Zeit, dass die Bevölkerung aufsteht.

Renate Schmidt
Schalksburgstraße 212
Ebingen