Leserbrief von Bernhard Schmidt zu den Gutachten bzgl. Krankenhäuser im Kreis v. 10.4.

Zu den Gutachten zur Zukunft der Krankenhausversorgung im Kreis

Die Berichterstattung über die Vorstellung der Gutachten des Kreises Zollernalb und der Stadt Albstadt folgen recht kritiklos den Szenarien der Gutachter und der Argumentation des Chefarztes Professor Dr. Michal Bitzer. Gutachten, die der Grundlinie des Gesundheitsstrukturgesetzes einfach folgen können nur eines umsetzen: Wie werden die Krankenhäser profitabler, wie kann rationalisisert werden ? Wenn die Kommerzialisiserung des Gesundheitswesens nicht angegriffen wird kann es nur die Wahl zwischen Pest und Cholera geben. Diese Kommerzialisiserung, die durch das Gesundheitsstrukturgesetz weiter voran getrieben wird, bedeutet Unterordnung unter den Zwang auch hier Profite zu erwirtschaften.

Die Gutachter von Ernst & Young liessen sich massgeblich davon leiten: Wie behauptet sich die Krankenhausversorgung im Zollernalbkreis gegen die Konkurrenz um Patienten aus Sigmaringen, Villingen-Schwenningen und Tübingen. Was für eine kleinkarierte Sichtweise! Wir brauchen eine gute Versorgung in allen Kreisen oder sollen wir uns etwa freuen, wenn die Versorgung in anderen Krankenhäsern schlechter wird ?

Beide Gutachten orientieren darauf wann und wie „schwarze Zahlen“ geschrieben werden. Dabei sind die Krankenhäuser in Albstadt und Balingen gut belegt und die Frage wie nach Balingen jetzt auch Albstadt modernisiert werden kann, stand gar nicht im Mittelpunkt der Gutachten. Sicherlich gibt es auch dafür mehrere Szenarien.

Auffällig war auch, daß in beiden Gutachten die Folgen für die Masse der Beschäftigten erst gar nicht untersucht wurden – dabei ergibt sich logisch aus den vorgelgten Zahlen, dass mit der Zentralisierung insgesamt ein Betten- und Personalabbau einher geht. Wie sich der Arbeitsdruck entwickelt, scheint auch keine Rolle zu spielen.

Die über 30.000 Menschen aus Albstadt, Balingen und Umgebung, die für die Zwei-Standortlösung unterschrieben haben, taten das keineswegs aus emotionalen Gründen, wie gerne von den Befürwortern eines Zentralkrankenhaus auf der grünen Wiese behauptet wird, sondern weil sie ganz sachlich eine wohnortnahe und qualtitativ hochwertige Gesundheitsversorgung entsprechend dem Stand des medizinischen Fotschritts verlangen.

Beide Gutachten verzichteten auf die Fragestellung wie viel gesellschaftlich erarbeiteter Wert vernichtet würde, wenn die Krankenhäuser in Albstadt und später in Balingen (frisch renoviert), nicht mehr genutzt oder sogar abgerissen werden. Wenn man sich nur vorstellt, dass in den meisten Landkreisen ähnlich gerechnet wird und überall neue Kliniken auf der grünen Wiese entstehen wird deutlich, was für eine wenig nachhaltige Politik das ist. Und nicht zuletzt war es zweifelhaft von der Teamplan-Studie auf die Zukunft der Jugend im Jahr 2035 - 2040 zu verweisen (ab da gäbe es die besten Gewinn-Aussichten), wenn man bedenkt, dass das letzte Gutachten gerade mal 10 Jahre Gültigkeit hatte. Die Zukunft der Jugend hängt eher davon ab, ob sie eine Gesundheitspolitk erkämpft, die sich von der Kommerzialisierung löst und nicht unkritisch solchen Gutachten folgt.

 

Mit freundlichen Grüßen

B.Schmidt, Albstadt