Leserbrief Kauf des „Waldhorns“ an die NPD wäre Provokation gegen die Flüchtlinge

Am 10. Juli nahm ich an einer Führung durch die LEA in Meßstetten teil.

Man führte uns über das Gelände und zeigte uns den Kindergarten, die Kleiderkammer und Wäscherei, Gesundheitsstation und die Kantine. Die junge Frau, die uns führte, war voller Respekt für die Flüchtlinge „Die wollen arbeiten und nicht faul rumhängen, aber sie dürfen ja nicht.“ In der LEA können die Flüchtlinge für 1.05 Euro Dienste machen wie Platz sauber halten, in der Wäscherei arbeiten, putzen. Und das tun viele auch. Die Flüchtlinge grüßen uns freundlich. Wir erfahren, dass die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ungebrochen ist. Wir erfahren, dass die Zahl der Diebstähle deshalb steigt, weil die Polizei jede Woche in allen Ladengeschäften präsent ist und so natürlich jede Kleinigkeit angezeigt wird, die sonst gar nicht erfasst würde. So verzerren die Zahlen die Wirklichkeit. Je mehr wir sehen und hören, desto mehr bekommen wir den Eindruck, dass über Gerüchte, Aufbauschen von Problemen und reißerische Berichte die Stimmung zum Kippen gebracht werden soll.
Einige der Besuchergruppe waren aus Meßstetten und betonten, dass sie noch nie Probleme mit Flüchtlingen hatten. Als ich sage, dass die Meßstetter unbedingt aktiv werden sollten gegen den Kauf des „Waldhorns“ an die NPD, denn dies wäre eine Provokation gegen die Flüchtlinge, bekomme ich Zustimmung. Eine Frau meint: „Vor den Flüchtlingen habe ich keine Angst, aber vor den Nazis!“ Überall gilt: keinen Fußbreit den Faschisten. Derzeit kommen die meisten Flüchtlinge aus Syrien. Umso wichtiger ist die Unterstützung des Wiederaufbaus der Stadt Kobane in Rojava/Nordsyrien. Dort wird eine selbstverwaltete Demokratie mit weitgehenden Frauenrechten und Gleichberechtigung aller Religionen und Volksgruppen aufgebaut.
Die türkische Regierung verhindert jedoch bis heute einen humanitären Korridor für den Wiederaufbau von Kobane. Während sie den Terror des IS duldet und fördert, behindert sie die dringende Versorgung von Kobane.
Lastwagen mit humanitären Gütern und Lebensmittel werden teilweise bis zu einem Monat an der Grenze von der Türkei nach Syrien gestoppt. Die türkische Regierung bricht mit der Sperrung der Grenze das humanitäre Völkerrecht und die Genfer Konvention. Dagegen richtet sich die Petition: Öffnet die Grenze – Kobane muss leben. So würde auch eine Möglichkeit geschaffen, dass Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren können.
Renate Schmidt
Schalksburgstraße 212
Ebingen